Studierende aus dem Vorkurs erzählen

Der wichtigste Punkt ist für mich das Erreichen eines klar gesetzten Zieles, das ich jetzt vor Augen habe. Das, denke ich, hängt auch mit der größeren Reife zusammen. Als Jugendliche wusste ich nicht so genau, was ich arbeiten will, wenn ich die Schule beendet habe. Heute weiß ich genau, was ich machen möchte. Dieses Ziel kann ich aber nur erreichen, wenn ich das Abitur habe. Ich glaube, nicht nur ich, sondern jeder am Abendgymnasium gibt sein Bestes, um sein persönliches Ziel zu erreichen. Das ist der größte Vorteil, den wir vom Abendgymnasium gegenüber den "Vollzeit-Gymnasiasten" haben.

Mit all den Problemen und Nachteilen, die das Abendgymnasium mit sich bringt, meine ich, dass es eine gute Sache ist. Es lohnt sich, die ganze Energie aufzubringen und sich oft stressigen Situationen auszusetzen. Das Abendgymnasium ist nicht mit einer Tagesschule vergleichbar. Man bekommt mehr als nur Wissen beigebracht. Man schließt neue Freundschaften und verändert sein ganzes Leben und seine Gewohnheiten. Für mich bringt das Abendgymnasium nur Vorteile, und ich bin froh, dass ich Arbeitskollegen habe, die mich ermutigt haben, noch einmal in die Schule zu gehen.

Susanne K.


Nach einem dreiviertel Jahr AG

Im Laufe der Jahre habe ich immer wieder mal von ihnen gehört, diesen Menschen, die sich auf dem Zweiten Bildungsweg diverse Abschlüsse erarbeiten...

Und ich weiß noch, wie ich jedes Mal dachte, dass ich das nicht könnte. Ich doch nicht!
Dazu bedarf es schließlich einer gesunden Portion Ehrgeiz und obendrein noch eines sehr hohen Maßes an Disziplin und Zähigkeit. - Alles Eigenschaften, die ich so gar nicht an mir entdecken konnte und kann!

Jetzt gehöre ich plötzlich doch dazu, bin auch jemand, der jeden Wochentag abends zur Schule geht und das erste Jahr habe ich beinahe schon geschafft...

Wenn ich - was ich mittlerweile gerne und oft tue - erzähle, dass ich das Abendgymnasium besuche, werde ich in neun von zehn Fällen gefragt, welche Pläne ich anschließend habe. Und das allgemeine Erstaunen ist groß, wenn ich entgegne, dass ich nicht die leiseste Ahnung habe. - Wie auch?! Immerhin sind es noch gut drei Jahre, die es durchzuhalten gilt. Und ganz unter uns: Wer weiß denn schon jetzt, wie sein Leben in drei Jahren aussehen, was er dann machen wird?

Gut, man könnte anführen, dass die Eigenmotivation mit einem eindeutigen Ziel vor Augen in Krisenzeiten vielleicht leichter fällt. - Ich persönlich denke aber, ich sehe erst einmal, wo meine Stärken liegen und wenn ich diese gefunden habe, kann ich immer noch anfangen, mich nach einem geeigneten Ziel umzusehen.

Immerhin bin ich - so ganz nebenbei - auch berufstätige Mutter, obendrein noch alleinerziehend. - Und ich muss gestehen, ich bin eigentlich schon zufrieden, wenn wir - ein Hoch auf die Improvisation! - einen Tag ohne größere Aktionen und Probleme hinter uns bringen.

Aber trotz alltäglicher Schwierigkeiten, trotz der Tatsache, dass ich mich von ein paar - zugegebenermaßen nicht ganz realistischen - Bildern meiner selbst verabschieden musste, bin ich sehr froh, das „Wagnis“ Abendgymnasium in Angriff genommen zu haben. Und auch wenn ich nicht sicher sagen kann, ob ich in drei Jahren noch hier bin und ob ich dann mein Abitur geschafft haben werde, kann ich später zumindest guten Gewissens von mir behaupten, dass ich es versucht habe!

Ich möchte übrigens noch anmerken, dass es längst nicht so ein großer Schritt ist, wie Außenstehende vielleicht annehmen, denn der regelmäßige Unterricht wird schnell fester Bestandteil des Tagesablaufs.

Und - so unvorstellbar das klingen mag - es soll sogar schon vorgekommen sein, dass jemand das Ferienende herbeisehnt, weil ihm Schule und Klassenkameraden fehlen!

Katja P.

 

Studierende aus der 1. Jahrgangsstufe schreiben

Wenn man im Berufsleben steht, ergeben sich wenig Gelegenheiten darüber nachzudenken, welche interessanten Themen sich außerhalb des Berufs noch ergeben könnten. Man ist so eingespannt in das Tagesgeschäft, dass man schnell vergisst, dass es noch mehr gibt als den Beruf. Im Berufsleben ist man ein Spezialist und man weiß doch nichts. Dadurch ist man nicht mehr offen für neue Ideen und Ansichten. Allein dadurch, dass im AG Themen behandelt werden, die nichts mit dem Beruf zu tun haben, erweitert sich der eigene Horizont doch gewaltig.

Franco P.


Ich bin 36 Jahre alt und Abendgymnasiast. Als 32-jähriger Arbeitnehmer kam ich in die missliche Lage, mir Gedanken zu machen über meine berufliche Zukunft. Meine physische Verfassung gestattete es mir nicht mehr, dass ich Tätigkeiten ausübte, die man als schwere körperliche Arbeit bezeichnet. Mein Wissensdurst war zudem nur teilweise befriedigt, und so sitze ich heute hier im Abendgymnasium und versuche zu reifen. Das Durchschnittsalter der Münchner Abendgymnasiasten wird in etwa bei 24 Jahren liegen. Aber auch im Alter von 36 Jahren wird man noch von seinen Mitschülern und Lehrkräften akzeptiert und respektiert.

Thomas Sch.

 

Ein Studierender aus der Oberstufe schreibt

Irgendwann wusste ich, dass ich mein Abitur nachholen wollte; ewig in meinem Beruf versumpfen, das wollte ich nämlich nicht. Doch wie ich das angehen sollte, das war mir damals noch nicht klar. Meine Freundin meinte schließlich, es wäre vielleicht besser statt eines Fernlehrgangs eine Abendschule zu besuchen, weil ich mich so schlecht motivieren könne, daheim etwas aus eigenem Antrieb zu tun. Also auf zum Abendgymnasium! Ich besuchte den letzten Infoabend im Sommer 2010, kam zu spät und verschwitzt vom Fahrradfahren. Ich muss einen guten Eindruck hinterlassen haben. Dieses Jahr, wir schreiben 2014, mache ich mein Abitur. Demnach habe ich bereits mehr als drei Jahre am Abendgymnasium hinter mir und ich muss gestehen, ich bin nicht nur stolz auf mich, diesen Schritt gewagt und bis zum Ende gebracht zu haben, sondern auch etwas traurig, dass die Zeit am Abendgymnasium nun zu Ende geht.

Die Zeit war natürlich kein reines Zuckerschlecken, auch wenn man auf Grund des erhöhten Süßigkeitenkonsums während der Unterrichtszeit davon ausgehen könnte. Zuallererst sind es die neuen sozialen Umstände, der Klassenverband, der eine eigene Dynamik entwickelt: Man fühlt sich tatsächlich wie zurückversetzt in die damalige Schulzeit. Dann der hohe Zeitaufwand, schließlich geht man in der Früh arbeiten, danach in die Schule und kommt erst abends wieder nach Hause. Die freien Wochenenden werden auch gerne durch Lerneinheiten besetzt oder, was viel öfter vorkommt, durch Schlafen und Nachholen der Ruhe für die ganze Woche. Da braucht man Freunde, die verständnisvoll darüber hinwegsehen, wenn man mal nicht am Freitag oder Samstagabend Party machen möchte. Einerseits möchte man Party machen, um den "Schulstress" hinter sich zu lassen. Andererseits braucht man Ruhe, denn so eine Woche ist richtig anstrengend und belastend. Ein echtes Dilemma. Oft hörte ich von Bekannten oder Kollegen Worte der Bewunderung, wie ich eine derartige Belastung stemmen könnte. Diese Worte, Unterstützung durch Freunde und der Klassenverband motivierten sehr, diese "derartige Belastung" zu stemmen. So sehr, dass sie meist doch nicht als Belastung empfunden wurde. Manchmal aber kommt es auch vor, dass Freunde es nicht länger einsehen, dass man weniger Zeit hat. Für alle anderen Fälle findet man am Abendgymnasium auch Freunde fürs Leben; mit bereits fest integriertem Verständnis für das Wochenenddilemma. Mehr als praktisch!

Angefangen hat alles ganz unscheinbar: Nicht sicher, ob ich die Aufnahmeprüfung für die erste Jahrgangsstufe bestehen würde, entschied ich mich für einen Einstieg in den Vorkurs. Die Wiederholung des alten Schulstoffs hat gut getan. Auch war das erste Jahr Lateinunterricht ein hervorragendes Fundament für die nachfolgenden Schuljahre, das natürlich auch durch selbständiges Lernen und Wiederholen des Stoffs aufgebaut wurde, schließlich war ich bis zum Abitur motiviert, daheim aus eigenem Antrieb für die lateinische Sprache zu lernen. Heute weiß ich, dass ich die Aufnahmeprüfung bestanden hätte und das zusätzliche Jahr nicht notwendig gewesen wäre. Aber nur so konnte ich eben jene Freunde fürs Leben kennenlernen.

Für die Zeit nach dem Abitur habe ich mir bereits ein neues Ziel gesteckt. Etwas mit meinem neu erworbenen Bildungsabschluss anfangen: Studieren. Und zwar theoretische Physik.

Markus K.

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